Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke
Nordrhein-Westfalen e.V.

Besteht Umweltschutz alleine aus Gewässerökologie? Ganz sicher nicht!
Wasserkraftnutzung wird von einigen hin und wieder ungerechtfertigt verteufelt. Die wichtigen Fragen des Umweltschutzes werden dabei reduziert auf einzelne Fragen der Gewässerökologie. Umwelt ist aber mehr: Luft, Klima, Land- und Wasserökosysteme und nicht zuletzt der Mensch sollte in der Betrachtung eine angemessene Rolle spielen. Eine singuläre Sicht führt nicht weiter - nur ein ganzheitlicher Ansatz ist zielführend.

Jede menschliche Nutzung hat Auswirkungen. Die Auswirkungen von Braunkohlenabbau oder Kernkraft sind bekannt. Wer die Wasserkraftnutzung in Frage stellt, muss auch die daraus resultierenden Konsequenzen bedenken. Die Konsequenz aus einem Verzichtet auf saubere, umweltfreundliche Wasserkraft wäre mehr Strom aus fossilen, klimaschädlichen Energiequellen oder Kernkraft zu gewinnen. Die Bevölkerung will jedoch etwas anderes. Die saubere und umweltfreundliche Wasserkraftnutzung hat in Deutschland die mit Abstand höchste Akzeptanz aller Arten der Stromerzeugung!

Klimakarte Europa
Warnung vor radioaktiver Strahlung
Waldsterben Bei einem fortgesetzten Klimawandel sind nicht nur alle unsere schützenswerten Gewässerökosysteme bedroht, sondern mehr noch auch die Landökosysteme. Daher sollten alle bestehenden Möglichkeiten zur klimafreundlichen Wasserkraftnutzung konsequent genutzt werden, natürlich mit möglichst minimalem Eingriff in die Natur.

Einen Ausbau der Wasserkraft in Nordrhein-Westfalen mit negativen Auswirkungen auf die Gewässer gleichzusetzen, ist grundsätzlich falsch. Das Gegenteil ist richtig. Im Rahmen von Genehmigungsverfahren werden die Auswirkungen des Vorhabens intensiv geprüft. Gesetzlich gilt ein so genanntes Verschlechterungsverbot. Wären negative Auswirkungen zu befürchten, könnte keine Genehmigung erteilt werden. Es haben daher nur Projekte eine Chance auf Realisierung, die bereits vorhandene ökologische Mängel verringern oder beseitigen.

Es gibt viele, heute energetisch nicht genutzte Stauanlagen, die z. B. im Rahmen der früheren Flussbegradigungen gebaut wurden. Diese Stauanlagen ohne Wasserkraftnutzung unterbrechen in der Regel die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers. Im Zuge einer energetischen Nutzung könnte die Durchgängigkeit und somit - neben der umweltfreundlichen Stromerzeugung - auch eine ökologische Verbesserung erreicht werden.


Ungenutztes Wehr ohne Fischtreppe, Wasserkraftnutzung kann hier die ökologische Durchgängigkeit schaffen
Fischpass an einem Wehr stellt die Durchgängigkeit her
Wasserkraftanlagen sind nicht das Haupthindernis für Fische 
Naturnaher Obergraben eines Wasserkraftwerkes NRW zählt deutlich über 13.000 so genannte Querbauwerke, die Wanderbarrieren für Lebewesen darstellen können. Die weitaus meisten dieser Einrichtungen wurden durch die öffentliche Hand gebaut. Lediglich an ca. 500 Bauwerken wird Wasserkraft genutzt. Viele dieser Anlagen sind unverzichtbar, da sie gleichzeitig z. B. zur Trinkwassergewinnung, zur Verhinderung der Gewässererosion, zur Grundwasserstützung oder zum Hochwasserschutz genutzt werden und somit zwingend erforderlich sind. Vielfach stehen diese Anlagen mittlerweile auch unter Denkmalschutz. Querbauwerke zur reinen Wasserkraftnutzung gibt es schätzungsweise nur 300 in NRW. Dies entspricht einem Anteil von lediglich 2,3 % aller Querbauwerke des Landes.

Damit wird deutlich, dass Wasserkraftanlagen bei weitem nicht das Haupthindernis für aquatische Lebewesen darstellen. Die Probleme liegen an anderer Stelle. Trotzdem sind prozentual wesentlich mehr Wasserkraftanlagen bereits heute mit Wanderhilfen versehen als dies bei Querbauwerken mit anderer Nutzung der Fall ist.

Ist es realistisch, den weitaus grössten Teil dieser Wanderhindernisse zu beseitigen? Die hierfür vom Steuerzahler aufzubringenden Finanzmittel wären enorm. Angesichts der schwierigen Finanzlage der öffentlichen Kassen ist dies kaum vorstellbar. Oftmals können die Querbauwerke auch gar nicht entfernt werden, z. B. weil sie empfindliche Naturschutzgebiete sichern, weil sie zur Trinkwassergewinnung oder dem Hochwasserschutz dienen.

Wir plädieren für abgestimmte und angemessene Lösungen. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke NRW e.V. bieten an, an geeigneten Wanderhindernissen auf private Kosten die gewünschte Durchgängigkeit in Verbindung mit Investitionen in neue, umweltfreundliche Kraftanlagen zu schaffen. Das ist gut für Umwelt, Arbeitsplätze und entlastet den Steuerzahler!


Wasserkraft und Gewässerökologie - Kein Widerspruch !

Wir treten für eine behutsame Wasserkraftnutzung mit möglichst geringen Ein-flüssen auf die Gewässer ein.

Stauanlagen können Wanderungen von Gewässerlebewesen behindern. Wo es geht und sinnvoll ist, wollen wir zur Herstellung der so genannten ökologischen Durchgängigkeit Hilfestellung leisten. Anderenorts müssen Fischtreppen durch die Öffentliche Hand kostenträchtig errichtet und funktionstüchtig gehalten werden. An Standorten zur Wasserkraftnutzung geschieht dies überwiegend auf private Kosten des Betreibers. Moderner Fischpass einer Wasserkraftanlage
Feinrechen eines Wasserkraftwerkes

Die Mitgliedsbetriebe sind durch gesetzliche Auflagen und Nebenbestimmungen in den wasserrechtlichen Genehmigungen ihrer Anlagen zur Gewährleistung eines angemessenen Fischschutzes verpflichtet. Dieser besteht i. d. R. aus Rechenanlagen mit 20 mm Stababstand. Ein Zeigefinger passt schon nicht mehr hinein. Große Fische können aufgrund Ihrer Körpergröße gar nicht in die Anlagen geraten, selbst für kleinste Fische sind die am Rechen entstehenden Strömungswirbel eine so genannte Verhaltensbarriere, die sie wirksam von der Turbine abhält.

Wasserräder oder so genannte Wasserkraftschnecken stellen bauartbedingt für Fische - wissenstaftlich untersucht und amtlich bestätigt - praktisch keine Gefahr dar. Hier sind deshalb auch nur Grobrechen erforderlich.

Leider werden viele Abfälle immer noch einfach in den nächsten Fluss gekippt. Mit der Strömung treibt der Müll dann in erschrenkender Menge bei unseren Mitgliedsanlagen an. Dem Wasser entnommener Abfall wird von uns fachgerecht entsorgt. So halten Wasserkraftanlagen unsere Gewässer sauber. Damit nicht im Fluss schwimmt, was dort nicht hingehört. Wohlstandsmüll
Wipperkotten an der Wupper - Wasserkraftnutzung seit über 400 Jahren Wasserkraft bringt Sauerstoff in den Fluss. Sich drehende Teile wirbeln Luft ein; an Wehren wird ebenfalls Sauerstoff aufgenommen. Die Selbstreinigungskraft wird so gestärkt. Bei hohen Temperaturen (Klimawandel!) stehen Gewässer und darin lebende Organismen unter Stress. Abwässer zehren den Sauerstoff auf, den Fische zum Leben brauchen. Hier helfen unsere Anlagen und pumpen den lebenswichtigen Sauerstoff ins Wasser.
Lebensraum aus Menschenhand - Mühlgräben und Wehrkolke sind wertvoller Lebensraum auch für Gewässerorganismen. Gerade in den strömungsberuhigten, sauerstoffreichen und tiefen Bereichen hinter Wehren halten sich Fische gerne auf, weil sie dort vor natürlichen Fraßfeinden besser geschützt sind. Das wissen auch Angler und gehen dort bevorzugt auf Fang.

Mühlgräben sind bei Hochwassern mit ihren strömungsberuhigten Zonen wichtige Rückzugsgebiete für Fische. Sie dienen auch häufig als Laichbereiche. Ohne solche Rückzugsgebiete würden standorttreue Fische bei Hochwassern abgetrieben und in Bereiche abgetrieben, die ihrer Art keine angepassten Lebensräume mehr bieten.

Mühlgraben eines Wasserkraftwerkes

Gäbe es die Wehre und Mühlgräben nicht, gäbe es auch diese Rückzugs- und Laichgebiete nicht.