Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke
Nordrhein-Westfalen e.V.

Tradition seit über 6000 Jahren

Wasserkraft hat man schon 4000 v. Chr. genutzt. Wasserkraft war die erste "künstliche" und lange Zeit auch die alleinige Energiequelle des Menschen, neben Muskelkraft von Mensch und Tier.

Bis zum Aufkommen der Windmühlen um 1000 n. Chr. gab es keine Alternative. Wassermühlen waren immer in der Überzahl.

Die Kraft des Wassers trieb Mühlen zu verschiedensten Zwecken an. Hier sei nur eine kleine, unvollständige Auswahl erwähnt:
- Mahlen
- Sägen
- Schleifen
- Pumpen
- Draht ziehen
- Stoff herstellen
- Gerbstoff produzieren
- Pflanzenöl pressen
usw.

Lange Zeit war die rein mechanische Kraftübertragung die einzige technische Nutzungsmöglichkeit. Gewerbebetriebe siedelten zwangsweise am Wasser.

Erst mit der Erfindung und Einführung der Dampfkraft konnte man örtlich flexibler und unabhängig von den Flüssen arbeiten.



Historische Zeichnung einer Wassermühle
Getriebe einer Wassermühle
Historische Wassermühle in der Eifel
Der Beginn der Elektrizifierung basierte auf Wasserkraft

Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter großer technischer Errungenschaften. Die Nutzbarmachung der Elektrizität begann. Man erfand den Drehstrom. Hierdurch war erstmals der verlustarme Transport von Energie über weite Strecken möglich.

Im Rahmen der Elektrotechnischen Ausstellung von 1891 realisierten AEG und die Maschinenenfabrik Oerlikon die erste Fernübertragung elektrischen Stroms. Produziert wurde dieser Strom von einer Wasserkraftanlage am Neckar, geliefert wurde er zur Ausstellung bis ins ferne Frankfurt.

Viele Mühlen wurden seitdem zu kleinen Elektrizitätswerken ausgebaut. Stadtwerke gehen oft auf die Periode der Stromerzeugung mit ehemaligen Mühlen zurück. Den zunehmenden Bedarf an elektrischer Energie konnte man später aber nur noch durch fossile Energieträger und herkömmliche Dampfkraftwerke decken.



Darstellungen der Elektrotechnischen Ausstellung, Frankfurt
Die Konkurrenz der "billigen" fossilen Energie

Der zunehmende Energiehunger und die billige Energie aus Kohle und Öl brachte nach dem 2. Weltkrieg vielen Wasserkraftnutzungen in Deutschland das "Aus". Von über 600.000 kleinen Wasserkraftanlagen blieben nur die rentabelsten Triebwerke in Betrieb. Weltweit wurden fast nur noch große Wasserkraftanlagen neu gebaut.

Für den erzeugten Strom erhielten die Betreiber keine kostendeckende Vergütung. Preise um 1 Euro-Cent pro kWh waren keine Seltenheit. Selbst die Brennstoffkosten der Großkraftwerke waren teurer. Noch nicht einmal eingerechnet sind hier die Übertragungsverluste von den Großkraftwerken zum Verbraucher. Bei der dezentralen Energieerzeugung mit Wasserkraft fallen hingegen keine Übertragungsverluste mehr an. Die Umweltfolgekosten der fossilen Energieversorgung werden heute (noch) nicht in den Strompreis eingerechnet.

Verfallene Wassermühle vor der Renovierung
Erst mit der Einführung des Stromeinspeisegesetzes im Jahre 1990 wurde den Betreibern wieder eine bessere wirtschaftliche Grundlage gegeben. Seit ca. 15 Jahren kommt es daher wieder zu einer Renaissance der kleinen Wasserkraft. Etliche Anlagen wurden aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt, reaktiviert und wieder in Betrieb genommen. In einigen ganz wenigen Fällen konnten auch vollständige Neubauten realisiert werden. Heute sind in Deutschland nur noch ca. 8.000 Anlagen in Betrieb, davon ca. 400 in NRW. Die aufwendigen und schwierigen Genehmigungsverfahren und umfangreiche Auflagen bilden heute das größte Hindernis für eine Erweiterung der Stromerzeugung aus Wasserkraft.

Denkmalgeschützte Wassermühle heute